Und was für ein Beispiel gibt es zum Erhalt des Monuments?
Möwes: Ein anderes schönes Beispiel sind die Memnon Kolosse in Ägypten, die wir vor einigen Jahren gereinigt haben. Durch stabile Schmutzkrusten, die sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet hatten, waren die Kolosse durch Salzsprengungen stark gefährdet. Zum einen konnten wir die steinschädigende Schmutzschicht entfernen und damit dem weiteren Verfall der Monumente Einhalt gebieten. Und zum anderen wurden überraschenderweise sogar Reste der ursprünglichen Farbfassung entdeckt und anschließend behutsam freigelegt, ohne sie zu beschädigen.
Wird ein restauriertes oder gereinigtes Denkmal in den Augen der Gesellschaft anders wahrgenommen?
Lienerth: Wenn eine Restaurierung stattfindet, rückt das Denkmal auf jeden Fall mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Wenn wir die Fassade eines historischen Gebäudes nach über 30 Jahren ändern, weil der Befund ergeben hat, dass sie ursprünglich beige und nicht gelb war, führt das zu Diskussionen. Häufig nicht nur mit Verantwortlichen der Stadt, des Denkmalschutzes oder dem Eigentümer, sondern auch mit der Öffentlichkeit. In der Denkmalpflege müssen wir viel Vermittlungsarbeit leisten. Wir müssen erklären, was wir warum tun und alle Beteiligten mitnehmen.
Möwes: Den Menschen ist der Erhalt und auch das Aussehen von Denkmalen wichtig. Das sehen wir an der Menge von Reinigungsanfragen, die wir erhalten. Das reicht vom kleinen Dorfbrunnen bis zur Christusstatue in Rio de Janeiro. Wir versuchen, allen zu helfen. Manchmal durch das Ausleihen von Geräten und manchmal, indem wir die komplette Durchführung übernehmen. Als wir zum Beispiel im Ulmer Münster die Wände des Chors mit unseren Saugern gereinigt hatten, kam unter den Staubschichten eine viel hellere und angenehmere Wandfarbe zum Vorschein, das ist den Gemeindemitgliedern und den Besuchern natürlich positiv aufgefallen. Genauso, als wir in Vietnam das Südtor (Noon Gate) der ehemaligen Kaiserstadt von einem schwarzen Belag befreit haben. Plötzlich war der rote Ziegelstein darunter wieder deutlich sichtbar.
Wie nehmen Sie den Stellenwert Ihrer Arbeit in der Gesellschaft wahr?
Lienerth: Glücklicherweise ist das Verständnis für die Notwendigkeit von Instandhaltung und Restaurierungen da. Es gibt kaum eine gesellschaftliche Bewegung, die Gelder für die Denkmalpflege in Frage stellt. Man ist sich darüber einig, dass es wichtig und die Aufgabe des Staates ist, Kulturerbe zu erhalten und zu pflegen.
Schrem: Hilfreich sind Veranstaltungen wie beispielsweise der ‚Tag des offenen Denkmals‘ oder ‚Jugend und Denkmal‘. Da können sich Besucher Einblick in die Denkmalpflege verschaffen und damit wächst das Verständnis für unsere Arbeit. Viel wichtiger noch: Sie lernen die Hintergründe eines Denkmals kennen, seine Geschichte. Und nur mit diesem Wissen erschließt sich einem der Wert eines Denkmals.