Graffiti wirksam entfernen: Methoden für Graffitientfernung und Graffitischutz

Die Verfahren zur Graffitientfernung sind vielfältig. Von der Heißwasser-Hochdruckreinigung bis zu verschiedenen Strahlverfahren wird die geeignete Methode nach verschiedenen Faktoren gewählt, etwa nach der Art der Graffitifarbe, dem Material des Untergrunds sowie örtlichen und rechtlichen Bestimmungen. Zudem existieren Schutzmöglichkeiten, damit sich unerwünschte Graffitis komfortabler und für den Untergrund schonender entfernen lassen.

Eine Person in Schutzkleidung entfernt Graffiti von der Innenseite einer Hauswand

Der Grat zwischen Kunst und Vandalismus ist bei kaum einem Thema so schmal wie bei Graffitis. Ist die Rechtslage auch weltweit unterschiedlich, verursachen illegal aufgesprayte Wandbilder und -schriften in vielen Ländern jährlich Schäden in Millionenhöhe. Es existieren zahlreiche Methoden zur Entfernung von Graffiti. Die Wahl des geeigneten Verfahrens ist von vielen Faktoren abhängig. Doch auch vorbeugend kann etwas zum Schutz der Oberflächen getan werden, sodass sich aufgesprühte Graffitis komfortabler und für den Untergrund schonender entfernen lassen.

In einer Unterführung entfernt eine Person mit Hilfe eines Kärcher Hochdrucktrailers Graffiti

Parameter für das Entfernen von Graffiti

  • Art der Graffitifarbe
  • Alter des Graffiti
  • Art, Porosität und Saugfähigkeit des Untergrunds
  • örtliche und rechtliche Bestimmungen

Arten und Bestandteile von Graffitifarben

Die Zusammensetzung von Graffitifarben ist so vielfältig wie die Varianten, die auf dem Markt erhältlich sind. Die Bestandteile, die das Entfernen vor allem erschweren, sind Öle, Bindemittel, Treibgase, Lösungsmittel und verschiedene Pigmente. Als Top 3 der verwendeten Graffitiarten können die folgenden genannt werden: Sprühfarbe und Lacke, Marker- und Filzschreiber sowie Bitumenspray. Sprühfarbe und Lacke lassen sich daran erkennen, dass sie meist breit aufgetragen werden, wobei die Ränder etwas dünner als der mittlere Bereich sind. Marker- und Filzschreiber werden eher gleichmäßig aufgetragen. Dadurch, dass sie sehr dünnflüssig sind, dringen sie tief in den Untergrund ein. Bitumenspray, auch Unterbodenschutz genannt, ist sehr klebrig und eine der hartnäckigsten Formen, wenn es um das Entfernen geht.

Eine Hand im Handschuh sprüht mit einer Graffitidose Farbe auf eine Wand

Alter des Graffiti


Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn das Graffiti zeitnah nach dem Aufsprühen entfernt wird. Zudem kann ein zeitnahes Beseitigen mögliche weitere Graffitis verhindern.

 

Arten von Untergründen

Graffitis finden sich auf sämtlichen Arten von Materialien. Hauswände, Fassaden und Schallmauern auf Autobahnen bestehen etwa aus Putz, Beton, Klinker oder Fliesen. Auch Züge, S-Bahnen und Haltestellen sind beliebte Zielobjekte von Sprayern – sowohl die Glas- und Kunststoffscheiben als auch die Bänke aus Holz oder Kunststoff. Zudem sind Materialien wie Metall, Lack oder Asphalt betroffen, zum Beispiel Verkehrsschilder, Autos oder Straßen.


Örtliche und rechtliche Bestimmungen

Grundsätzlich müssen bei jeder Umgebung die örtlichen Bestimmungen beachtet werden. Hierbei geht es vor allem um den Einsatz von Reinigungsmitteln. Gerade im Bereich des Denkmalschutzes ist dieser Faktor besonders sensibel zu handhaben. Bei denkmalgeschützten Gebäuden dürfen oft nur bestimmte oder gar keine Chemikalien zur Graffitientfernung eingesetzt werden. Gemeinsam mit dem Denkmalamt wird definiert, welche Reinigungsmethode und welche Mittel schlussendlich erlaubt sind, um Graffitis zu entfernen. Die Hauswand wird dafür durch das Anlegen von Musterflächen zunächst imitiert.

Graffitis auf verschiedenen Untergründen in einer Tiefgarage
Restauratorische Denkmalreinigung_Header

Restauratorische Denkmalreinigung

Die restauratorische Reinigung von Denkmälern stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Unsachgemäßes Vorgehen kann Schäden an unwiederbringlichen Zeugnissen der Vergangenheit hervorrufen. Materialien, Verschmutzungsarten und -grade, Formen und Strukturen – all dies gilt es zu analysieren, mögliche Reinigungstechniken auf Musterflächen zu testen und bei der Umsetzung höchste Sorgfalt walten zu lassen. Zum Einsatz kommen das Niederdruck-Partikelstrahlverfahren, das Heißwasser-Hochdruckreinigen bis zur Dampfstufe, Trockeneisstrahlen, Kompressen oder Lasertechnik.

MEHR ERFAHREN

Tipp 1 – immer vorher testen:

Bevor die eigentliche Entfernung des Graffiti beginnt, sollten das gewählte Arbeitsgerät und der Graffitientferner an geeigneter Stelle in einem kleinen Abschnitt getestet werden.

Tipp 2 – so viel wie möglich mechanisch abtragen:

Wenn es das Material und die Arbeitsumgebung zulassen, ist eine manuelle Vorreinigung zu empfehlen. Ebenso ist es aus Umweltgründen sinnvoll, so viel Farbe wie möglich mechanisch abzutragen, um möglichst wenig (chemische) Graffitientferner nutzen zu müssen.

Eine Person entfernt Graffiti in einer Unterführung

Heißwasser-Hochdruckreinigung

Heißwasser-Hochdruckreinigung

Die Hochdruckreinigung ist ein bewährtes Verfahren zur Graffitientfernung. Bei Kunststein oder Ziegeln bietet die Heißwasser-Hochdruckreinigung eine hohe Reinigungsleistung. Die Betriebstemperaturen liegen typischerweise zwischen 60 und 80 °C, was das Aufweichen der Graffitientferner beschleunigt.

Müssen Graffitis an Orten ohne Strom- oder Wasserversorgung entfernt werden, kann ein tragbarer Heißwasser-Hochdruckreiniger eingesetzt werden. Dieses Gerät arbeitet autark über integrierte Wasser- und Kraftstofftanks und ist für den mobilen Einsatz konzipiert.

Strahlverfahren mit abrasiven Partikeln

Das Strahlverfahren ermöglicht die kontrollierte Entfernung hartnäckiger Flecken und Verschmutzungen. Es wird eingesetzt, um Graffiti mechanisch von Oberflächen wie Naturstein und Ziegel zu entfernen, wobei der darunterliegende Untergrund geschont wird. Bei diesem Verfahren wird Druckluft durch einen Kompressor (Mindestleistung 4 m³ pro Minute) erzeugt und ein dosiertes Strahlmittel hinzugefügt. Es stehen über 2.000 Arten von Strahlmitteln zur Verfügung, die sich in Material, Härte und Korngröße unterscheiden. Die erforderliche Härte wird im Vorfeld anhand von Tests nach der Mohs-Skala ermittelt. Feine Strahlmittel mit einer Korngröße von 0,2 bis 0,8 mm eignen sich für empfindliche Oberflächen. Grobe Strahlmittel mit einer Korngröße von 0,25 bis 1,4 mm und einer Mohs-Härte von 6 oder 7 werden gewählt, wenn vor der Wandsanierung ein schneller Oberflächenabtrag erforderlich ist.

Eine Person entfernt ein Graffiti von einer Steinmauer

Partikelstrahlverfahren

Hartnäckige Verschmutzungen schonend entfernen – dafür steht das Partikelstrahlverfahren. Es wird angewendet, um Graffitis mechanisch, aber dennoch schonend von Untergründen wie Naturstein und seltener Klinker oder Ziegel zu entfernen. Bei dem Verfahren wird Druckluft durch einen Kompressor (mit einer Mindestleistung von 4 m3 pro Minute) erzeugt, dem ein exakt dosiertes Strahlmittel zugesetzt wird. Mehr als 2.000 Sorten Strahlmittel sind auf dem Markt erhältlich und variieren im Material, im Härtegrad sowie in der Größe und Form der Körnung. Der Härtegrad des Strahlmittels muss nach der Mohs’schen Skala durch die Tests vorab definiert werden. Oft ist ein hartes, aber sehr feines Strahlmittel mit einer Körnung von 0,2 bis 0,8 mm die beste Wahl, wenn die Oberfläche nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen werden soll. Grobe Strahlmittel mit einer Körnung von 0,25 bis 1,4 mm und Mohs-Härte von 6 oder 7 eignen sich hingegen für die schnelle, effiziente Entfernung von Graffiti, wenn die Wand ohnehin nachbehandelt werden soll.

Durch die passende Strahlmittelart und -menge sowie die Höhe des Luftdrucks lassen sich Graffitis von zahlreichen Oberflächen entfernen. Allerdings gibt es auch Materialien, für die das Partikelstrahlverfahren nicht geeignet ist, um Graffiti zu entfernen. Metall, Glas oder Beton werden davon zum Beispiel trüb oder gehen kaputt. Durch Wasserzugabe einer geringen Menge (bis zu 120 l/h) an der Düse wird eine Staubentwicklung weitgehend unterbunden.

Mit diesem Verfahren kann bereits oft ein hoher Anteil des Graffiti entfernt werden, besonders der Anteil, der auf der Oberfläche sitzt. Wenn der Untergrund ein sehr saugfähiger ist, muss eventuell noch mit Reinigungsmitteln im Anschluss gearbeitet werden.

Eine Person beim Trockeneisstrahlen

Trockeneisstrahlen

Beim Trockeneisstrahlen werden Graffiti von harten Oberflächen wie Glas, Metall oder Fliesen entfernt. Die Trockeneispellets sublimieren beim Aufprall und entfernen die Farbe Schicht für Schicht, während der darunterliegende Untergrund intakt bleibt.

Das Strahlmittel besteht aus Trockeneispellets – gefrorenen CO₂-Körnchen bei einer Temperatur von -79 °C. Die kalten Pellets treffen mit Geschwindigkeiten von über 150 m/s auf die Oberfläche und führen aufgrund des Temperaturunterschieds dazu, dass die Graffitischicht spröde wird und Risse bildet. Gleichzeitig dringen die Pellets in diese Risse ein und sublimieren sofort zu CO₂-Gas, wodurch die Farbpartikel mechanisch abgelöst werden.

Tipp – immer frisches Trockeneis verwenden:

Schon nach 1 Tag kann die Effektivität der eingesetzten Trockeneispellets um bis zu 20 Prozent sinken – deshalb ist es empfehlenswert, für die Graffitientfernung mit Trockeneisstrahlen immer frisches Trockeneis zu verwenden und es erst kurz vor dem Einsatz zu kaufen.

Nicht zu empfehlen: Hausmittel oder Selbstversuche

Ist ein Graffiti zu entfernen, sollten immer professionelle Hände ans Werk. Es gibt Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben und wissen, mit welchen Mitteln und Geräten gearbeitet werden muss. Selbstversuche, ein Graffiti zu entfernen und dafür beliebige Hausmittel einzusetzen, gehen in der Regel schief, die Farbe verschmiert oder wird nur noch tiefer in den Untergrund gerieben. Auch sollten Graffitis nicht einfach ohne vorheriges Entfernen überstrichen werden. Es kann dabei zu einem sogenannten „Durchbluten“ des überstrichenen Graffiti kommen, sodass zumindest Schattierungen nach kurzer Zeit durchscheinen.