Diesen Baum hatte ich in der Vorbereitung zu giSCHt zu unterschiedlichen Jahreszeiten schon gut kennengelernt, aber während der intensiven Arbeit über Tage und Nächte, mit Kunstlicht oder tagsüber mit Sonnenschein, wurde aus meinem Erleben ein Zwiegespräch.
Wie nimmt der Baum das Wasser an? Wie geht er mit der Kälte um? Teile des Eises tauten wieder weg, kleinere Äste brachen unter dem Gewicht. Die Herausforderung lag darin, den Wasserstrahl zu variieren, zu rhythmisieren, ihn in Bewegung zu bringen, in fliessende Formen, im Flow zu sein – und nur im Augenblick. Ein Teil dieses Kunstkonzeptes liegt auf naturwissenschaftlichem Terrain. Es gab früher, und wohl auch noch heute, Obstbauern, die im März und April, wenn Nachtfröste die Blüten zu zerstören drohen, es also um die Erträge des Sommers geht, einen Sprühnebel über ihre Blüten legen. So bildet sich ein Eispanzer, der vor Frost schützt.
Paradox: Es entsteht eine Art «Wärmepolster» mit circa einem Grad minus, das dann vor dem Strahlungsfrost, der um zehn Grad minus liegen kann, schützt. Vergleichbar mit einem Iglu, der den Eskimos wohnlichen Schutz bietet.