Herr Khani, was ist das Ziel von Plug & Play, und welche Aufgabe haben Sie persönlich?
Plug & Play wurde 2006 gegründet und hat das Ziel, innovative Start-ups und grosse Konzerne zusammenzubringen. Dazu haben wir industrieweit 14 Innovationsbereiche definiert, beispielsweise Digitale Gesundheit, Cyber Security oder auch den von mir verantworteten Bereich, Mobility & Internet of Things. In jedem Bereich arbeiten wir mit einem speziellen Auswahlprogramm, das für beide Seiten einen klaren Nutzen hat: Start-ups suchen nach Partnern, und für Konzerne treffen wir eine Vorauswahl, die zu ihrem technologischen Bedarf passt.
Wie funktioniert das genau?
Die Konzerne definieren ein technologisches Problem, für das sie eine Lösung suchen. Wir sehen uns weltweit nach passenden jungen Unternehmen um, die daran arbeiten. Daraus filtern wir die Top 100-Kandidaten heraus und bewerten sie hinsichtlich Team, Technologie, Zugkraft und anderen Kriterien. Am Ende haben wir 30 Start-ups, die wir zu unserem „Selection Day“ (Auswahl-Tag, Anm. d. Red.) einladen. Sie dürfen sich jeweils in fünf Minuten den Juroren stellen, die der Konzern uns schickt. Jenseits der finalen Auswahl bringt das für die jungen Unternehmen einen grossen Schritt nach vorne, denn meistens ergibt sich daraus in der Folge eine weitere Zusammenarbeit. Und die Konzerne sehen, was in der Industrie passiert, welche Trends es gibt und können dieses Wissen in der eigenen Produktentwicklung nutzen.
Welche Herausforderungen sehen Sie, wenn zwei so unterschiedliche Welten aufeinanderprallen, der Grosskonzern und das junge Unternehmen?
Das ist auf jeden Fall sehr spannend, denn die eine Struktur ist jung, schnell und agil, die andere ist erfahren, gross und schwerfällig. Eine Hürde für die Zusammenarbeit steckt in den völlig unterschiedlichen Prozessen. Dazu ein ganz einfaches Beispiel aus unserem Alltag: Eines unserer Start-ups zeigte uns eine 40-seitige Geheimhaltungserklärung, das es unterschreiben sollte. Es hatte aber weder Mittel noch Anwälte, ein solches Mammutwerk juristisch zu prüfen. Wir gaben diesen Hinweis weiter, und am Ende kam eine zweiseitige, für beide Seiten praktikable Variante heraus. Dass das möglich war, zeigt übrigens, dass Konzerne agil sein können, wenn sie nur wollen. Und aus meiner Sicht müssen sie das auch, um in Zukunft zu bestehen.