Weingut La Braccesca, Toskana
Es ist ein aussergewöhnlicher Morgen. Mildes Licht bahnt sich seinen Weg, der Dunst liegt wie ein zarter Schleier über den Hängen. Die Sonne hält sich dezent im Hintergrund, anders als in den heissen Wochen zuvor, in denen der Jahrhundertsommer mit ganzer Kraft die Trauben reifen liess.
Fiamma Cecchieri blickt über die Herbstidylle. Für sie ist es die schönste Zeit des Jahres. Zum ersten Mal nach der Weinlese kehrt wieder etwas Ruhe ein auf La Braccesca. Das malerische Weingut liegt im Süden der Toskana in einer der besten Weingegenden Italiens, je eine halbe Stunde entfernt von den mittelalterlichen Städten Montepulciano und Cortona.
Fiamma ist Önologin und Kellermeisterin auf dem traditionsreichen Gut, das Reben für ausgesuchte Rotweine auf historischen Hängen anbaut. "Nach der Ernte fühlt es sich wie nach einer Gipfelbesteigung an, wenn man sich an der grandiosen Aussicht berauschen kann", sagt die 29-Jährige und öffnet die Tür zur Kellerei.
Die meiste Zeit verbringt Fiamma in den Kellerräumen mit den grossen Edelstahltanks oder der Barriccaia, wo die edlen Tropfen in Eichenfässern reifen. Morgens prüft sie zuerst den Zustand der jüngsten Weine in den neu gefüllten Tanks.
Fiamma verkostet jede Probe, wertet ihre Analysen aus und entscheidet, wie weiter zu verfahren ist. Die Expertin hat sich in kürzester Zeit grossen Respekt in der männerdominierten Weinbauwelt verschafft – von ihren Kollegen wird sie mit einem Augenzwinkern Königin des Kellers genannt. Gerade füllen Matteo und Leonardo einen Tank um.


















