Interview mit Nico Rose
Zusammen mit Dr. Nico Rose, Experte für Positive Psychologie, Coach und Mitglied im Stab des Personalvorstandes der Bertelsmann-Gruppe, nimmt sich difference in dieser Ausgabe Zeit für einen Ausflug in die Geheimnisse des Glücks – und für die Frage, was Kärcher mit all dem zu tun haben könnte.
Herr Dr. Rose, mit einem Blick in die Geschichte: Ist es heute besonders schwer, glücklich zu sein?
Ich glaube nicht, dass es schwerer geworden ist, im Gegenteil. Aber die Herausforderungen und Probleme auf dem Weg zum Glücklichsein haben sich gewandelt durch die veränderten Lebensbedingungen. Ich würde sie im Vergleich zu früheren Zeiten als "bessere Probleme" beschreiben.
Zwei Beispiele: Wenn man früher der erste Sohn vom Schuster war, dann ist man auch Schuster geworden, ohne Wenn und Aber. Vielleicht ist man damit glücklich geworden, vielleicht auch nicht. Die Frage stellte sich nicht. Heute kann man allein in Deutschland aus ungefähr 20.000 Studiengängen auswählen. Eine solche Wahlfreiheit kann auf manche Menschen bedrückend wirken, generell wird sie aber bevorzugt.
Das gleiche gilt für die spätere Lebensphase. Früher sind Menschen nicht alt genug geworden, um sich mit der Frage zu beschäftigen: Was mache ich, wenn ich pensioniert bin? Oder es gab keine Absicherung, und man hat bis zum Umfallen gebuckelt. Ich denke, von einem objektiven Standpunkt aus betrachtet, sind wir heute besser dran. Aber wir müssen auch mehr Entscheidungen unter Unsicherheit treffen. Das kann subjektiv auf die Stimmung schlagen. Tauschen würden Menschen mit dem Leben vor 200 Jahren vermutlich trotzdem nicht.
Des einen Glück, des anderen Leid: Wie unterschiedlich ist das Glücksverständnis in verschiedenen Regionen der Welt?
Etwas vereinfacht, lässt sich das Glücksverständnis grob in ein östliches und westliches Verständnis aufteilen. Westlich steht hier für individualistische Kulturen, Prototyp ist der "American Dream". Dabei geht es in erste Linie um das persönliche Glück. Auf der anderen Seite stehen kollektivistische Kulturen, prototypisch vor allem China. Hier wird das persönliche Glück viel stärker im Bezug zu anderen Menschen oder zum "System" definiert.
Westeuropäische Kulturen liegen in der Regel in der Mitte dieser beiden Philosophien. Interessant ist ein Blick nach Skandinavien. Diese Länder tauchen seit Jahren bei Rankings immer auf den vorderen Plätzen der glücklichsten Länder auf. Die Menschen genießen einerseits grosse individuelle Freiheiten, anderseits sorgt ein ausgefeilter Sozialstaat dafür, dass die materiellen Unterschiede zwischen den Menschen nicht zu gross werden, es gibt ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Diese Mischung scheint ein idealer Nährboden für persönliches Glück zu sein.








