„Partnerschaften sind der Weg in die Zukunft.“
Im Gespräch mit Leo Stein (ZVEI), Referent Umwelt- und Stoffpolitik ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V.
Herr Stein, was sind aus Ihrer Sicht die relevanten Trends mit Blick auf Nachhaltigkeit für Unternehmen?
Da gibt es jede Menge, ich beschränke mich einmal auf die institutionelle Seite. Der Circular Economy Action Plan der Europäischen Kommission macht Unternehmen für die nächsten Jahre einige Vorgaben. Es geht darin unter anderem um eine nachhaltige Produktpolitik, um Ökodesign und um das Recht auf Reparatur. An diesem Aspekt lässt sich die Komplexität der Zusammenhänge sehr gut aufzeigen: Wer darf reparieren, sodass die gesetzlichen Pflichten des Herstellers in puncto Gewährleistung nicht konterkariert werden? Wir brauchen neue Ideen und Ansätze, um weiterzukommen – und die sind auch in der Mache.
Was genau ist denn in der Mache?
Verschiedene Unternehmen arbeiten an neuen Recyclingverfahren, zum Beispiel für sekundäre Kunststoffe. Rezyklate aus chemischen Verfahren sind rein, aber noch recht teuer. Mechanische Verfahren bringen nicht immer die Qualität, die für die Produktsicherheit erforderlich ist. Insofern wird es wohl in Zukunft einen Mix aus Methoden und Materialien geben, denn das Prinzip „One size fits all“ gibt es in der Industrie nicht.
Andere Ideen zielen darauf ab, den Einsatz von Material zu reduzieren – nicht nur in Sachen Kunststoff. Laut einer EU-Verordnung müssen einem Produkt alle relevanten Daten beigefügt werden, was Unmengen an Papier und Ressourcen verbraucht. Im ZVEI gibt es hierzu ein spannendes Projekt, das digitale Typenschild. Es stellt Unternehmen die Informationen standardisiert im Web zur Verfügung.
Für Sie persönlich: Was brauchen wir, um die Zukunft nachhaltig zu gestalten?
Erstens zeigt sich schon jetzt, dass Partnerschaften Fortschritte bringen. Die Hersteller von Elektronikgeräten, die Recyclingwirtschaft und die Hersteller von Primärkunststoffen können gemeinsam viel erreichen. Zweitens sollten wir aufhören, immer nur Bedenken zu haben – in manchen Fällen sollten wir einfach machen. Und drittens sehe ich uns alle in der Verantwortung: Auch ich als Leo Stein muss mir an die eigene Nase fassen und überlegen, was ich brauche, wie ich richtig entsorge und was sich reparieren lässt.