Von japanischer Putzmoral und „quick cleaning“ in den USA
2,47 Personen, 65 Quadratmeter Wohnfläche in der Region Tokio, ein tierischer Mitbewohner in jedem fünften Haus – der statistische Durchschnittshaushalt in Japan. Die Wohnfläche ausserhalb der Hauptstadt liegt bei knapp 110 Quadratmetern. In US-amerikanischen Haushalten leben im Durchschnitt 2,5 Personen. Sie haben dabei etwa 220 Quadratmeter zur Verfügung, die sich knapp 70 % zudem mit einem Haustier – wie in Japan meist Hund oder Katze – teilen. Zwei Länder, zwei unterschiedliche Lifestyles – ein Grund, die Reinigungsgewohnheiten in Japan und den USA näher kennenzulernen. Beim Gespräch mit Kenji Asaki von Kärcher in Japan und Dan Hayes aus den USA stand die Frage im Mittelpunkt: Wie putzt man auf der jeweiligen Seite des Pazifiks?
Japan geht aus der Umfrage mit zwei Extremwerten hervor: als Land mit der höchsten Technikaffinität, aber der kürzesten Putzdauer. Können Sie das erklären?
Kenji Asaki: Putzen ist bei uns eine der wichtigsten Haushaltstätigkeiten eins – Laut einer Umfrage reinigen 40 % ihre Wohnung oder ihr Haus jeden Tag, weitere 40 % alle zwei bis drei Tage. Durch die Häufigkeit der Reinigung ergibt sich, dass es einfach schneller geht. Dazu kommt, dass wir im Haus unsere Schuhe ausziehen – was einen erheblichen Teil dazu beiträgt, dass vor allem die Böden gar nicht erst so sehr verschmutzen. Dass wir Japaner zudem technikaffin sind, ist unumstritten. So ist es nur logisch, dass wir die elektrischen Helfer auch im Haushalt benutzen. Der Staubsauger ist dabei das Gerät der Wahl, und auch Saugroboter werden immer beliebter.
Ist das Putzen „zwischendurch“ auch in den USA üblich?
Dan Hayes: Wir in den USA neigen ähnlich wie in Japan dazu, unsere Häuser und Wohnungen während der Woche regelmässig zu reinigen – sogenanntes „quick cleaning“ ist weit verbreitet. Das war früher anders und kommt einfach daher, dass in vielen Haushalten alle Mitglieder berufstätig sind und die Wochenenden zum Erholen nutzen möchten. In den USA sind Mopps für die Bodenreinigung sehr beliebt, bei den elektrischen Geräten führt ebenfalls der Staubsauger die Verkaufszahlen an.
Das heisst, Teppiche sind in beiden Ländern beliebte Bodenbeläge?
Dan Hayes: Bei uns in den USA stimmt das. Die Nordamerikaner lieben Teppiche, und aufgrund von immer besseren, strapazierfähigeren Materialien werden sie zunehmend beliebter. Derzeit führen Teppiche die Rangliste der Bodenbeläge an, gefolgt von Parkett und Keramikfliesen. Vor allem in Wohn- und Schlafräumen geht den US-Amerikanern nichts über die warme, gemütliche Atmosphäre eines Teppichbodens.
Kenji Asaki: Heutzutage sind in Japan in fast jedem Haus Holzböden zu finden. Wir in Japan arbeiten punktuell mit Tatami-Matten – diese sind aus geflochtenem oder gepresstem Reisstroh gefertigt und werden einzeln verlegt, vor allem im Wohnbereich.