Können Sie uns erklären, wie der Bohrprozess abläuft?
Der Bohrprozess ist denkbar einfach: Wir pumpen Wasser aus Oberflächengewässern und Teichen in ein Absetzbecken. Von dort wird es in den Heisswasser-Hochdruckreiniger geleitet, wo es erhitzt und unter Druck gesetzt wird. Dieses Wasser wird dann über einen thermoplastischen Hochdruckschlauch in ein ca. 2 m langes Stahl- oder Messingrohr geleitet, das wir als "Bohrstiel" bezeichnen. Am Ende des Bohrstiels befestigen wir einen Düsenhalter und die Punktstrahldüse, die das Wasser unter hohem Druck durch eine kreisförmige Öffnung von ca. 1 mm drückt. Dieser Hochdruck-Heisswasserstrahl schmilzt das Eis, während der Stiel langsam durch das Bohrloch in den Gletscher abgesenkt wird. Theoretisch berührt der Stiel das Eis nie, so dass er als Pendel hängen bleibt und somit vertikal bohren kann. In der Praxis, insbesondere wenn Schutt in das Loch gelangt, ist das eventuell anders. Das Bohren mit heissem Wasser kann mit einer Geschwindigkeit von über 2 Meter pro Minute vorankommen, aber infolge von Oberflächen- und Englazialschutt und einer eingeschränkten Verbrennung in grosser Höhe war der Fortschritt auf dem Khumbu-Gletscher sehr langsam – nicht schneller als 0,5 m pro Minute. Zum Vergleich: Auf Meereshöhe können wir mit etwa 2 Meter pro Minute bohren. Allerdings ist ein Fortschritt von 0,5 m pro Minute sehr viel besser als gar kein Fortschritt und wir hatten genügend Zeit.
Während des gesamten Projekts haben Sie viele körperliche Aufgaben ausgeführt, ausserdem waren Sie wochenlang einer grossen Höhe und Kälte ausgesetzt. Haben Sie etwas Bestimmtes getan, um Ihre Zeit etwas angenehmer zu gestalten?
Die Hilfskräfte und Träger waren eine sehr angenehme Gesellschaft, sehr zuvorkommend und effektiv. Die Landschaft ist beeindruckend und beeindruckt immer wieder aufs Neue. Internet ist in den Lodges bis hin zum Everest Base Camp vorhanden, was uns häufigen Kontakt mit der Aussenwelt ermöglichte. Es muss jedoch gesagt werden, dass Duncans Witze nicht wirklich geholfen haben.
Was hat Ihnen persönlich bei Ihrer letzten Expedition zum Khumbu-Gletscher am besten gefallen?
Da ich Bohrlöcher in vielen Gletschern in beeindruckenden Umgebungen gebohrt habe, muss ich sagen, dass es wahrscheinlich das Gesamterlebnis war: nach Kathmandu zu fliegen und dort ein paar Tage zu verbringen, zum Flughafen von Luckla zu fliegen (mit seiner Start- und Landebahn, die direkt vom Berghang abfällt), zum Everest Basislager zu wandern und dort zu arbeiten, und schliesslich alles auf dem Rückweg nochmal zu erleben. Da die Feldarbeit erfolgreich war, war dies eine äusserst bereichernde und lohnende Gesamterfahrung.