Herr Ritscher, Sie leiten das neue Kärcher Reinigungsmittelkompetenzzentrum in Winnenden. Hier entstehen sämtliche Reinigungsmittel für Kärcher. Was muss ein Reinigungsmittel von Kärcher leisten, insbesondere mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit?
Zuerst muss man wissen, dass wir bei Kärcher fast ausschliesslich nachhaltige Reinigungsmittel produzieren. Nachhaltigkeit bedeutet für uns, dass es sich um eine gesamtheitlich nachhaltige Lösung handeln muss. Das Produkt zum Reinigen muss also nicht nur auf Basis natürlicher Substanzen produziert werden, für die Herstellung dürfen auch keine sonstigen Ressourcen aufgebraucht werden.
Ich sage mal so: Was nützt uns eine Reinigungslösung auf ökologischer Basis, wenn dafür andere natürliche Ressourcen, wie beispielsweise Regenwälder vernichtet werden? Darum ist uns vor allem ein weitsichtiger Umgang wichtig, der das Überleben von natürlichen Rohstoffen sichert.
Und last but not least: Ein nachhaltiges Reinigungsmittel von Kärcher muss funktionieren. Es muss genauso effizient sein wie konventionelle Produkte, sonst wird es am Markt und beim Verbraucher nicht erfolgreich sein.
Seit November 2018 arbeiten Sie im neuen Kärcher Reinigungsmittelkompetenzzentrum in Winnenden. Wie wirkt sich die neue Umgebung auf Ihre Arbeit und die nachhaltige Produktion aus?
Unsere Möglichkeiten rund um die Optimierung der ressourcenschonenden Prozesse haben sich durch das neue Kärcher Kompetenzzentrum stark verbessert. Besonders das 240 Quadratmeter grosse chemische Labor mit modernstem wissenschaftlichen Equipment bedeutet eine starke Verbesserung.
Zudem haben wir direkt vor Ort ein Textilprüflabor und eine neue anwendungstechnische Testumgebung. Unsere Entwickler können dort mit modernster Messtechnik Faserzusammensetzung und Verarbeitung der nachhaltigen Reinigungsprodukte detailgenau auf Zug-, Druck- und Waschbeständigkeit sowie Abrieb untersuchen. Im Chemielabor haben wir Zugriff auf über 1'000 Rohstoffe der chemischen Industrie.
Neben der hochmodernen Ausstattung ist der grösste Vorteil, dass wir bei Kärcher jetzt alles an einem Ort haben – das spart Zeit und Ressourcen. Unser neues Reinigungsmittelkompetenzzentrum in Winnenden gibt uns also die Möglichkeit, nicht nur unsere Produkte, sondern auch unseren Produktentstehungsprozess deutlich nachhaltiger zu organisieren.
Kärcher ist Weltmarktführer für Reinigungstechnik. Was heisst das für die Produktion nachhaltiger Reinigungsmittel?
Grundsätzlich gilt für uns, was für alle Entwickler gilt: Wir wollen immer das perfekte Produkt herstellen. Dann gibt es aber natürlich Rahmenbedingungen, wie beispielsweise den Verkaufspreis, die ebenfalls eine wichtige Rolle hinsichtlich der nachhaltigen Realisierung spielen. Ein Reinigungsmittel von Kärcher muss für uns immer eine Optimierung zu einer bereits bestehenden Lösung sein. Die Verbesserung kann zum Beispiel im Bereich Effizienz oder aber auch bei der Nachhaltigkeit eines Produkts erzielt werden. Es wird also entweder Bestehendes verbessert oder Neues entwickelt.
Welche Nachhaltigkeitskriterien müssen Reinigungsmittel von Kärcher erfüllen?
Sämtliche Reinigungsmittel von Kärcher sind seit 2012 mit dem Sustainable Cleaning Label zertifiziert. Das Label kennzeichnet Produkte, die in Unternehmen hergestellt wurden, die sich zu nachhaltigem Handeln bekennen.
Zudem erfüllen etliche unserer mehr als 600 unterschiedlichen Reinigungsmittel die Anforderungen internationaler, nachhaltiger Umweltzertifikate, wie des EU Ecolabels oder des Nordic Swan Ecolabels, die zu den strengsten weltweit zählen.
In welchem Bereich besteht das grösste Entwicklungspotenzial, um die Reinigungsmittel von Kärcher noch nachhaltiger zu machen?
Das grösste Optimierungspotenzial im Bezug auf Nachhaltigkeit besteht zweifellos im Bereich der Reinigungsmittelverpackungen. Hier spielt das Thema Mikroplastik eine grosse Rolle. Gleichzeitig bestehen erhebliche Vorschriften, da viele Reinigungsmittel aufgrund ihrer chemischen Inhaltsstoffe eine besondere Verpackung benötigen. Derzeit arbeiten wir im Reinigungsmittelkompetenzzentrum intensiv an der Entwicklung recyclebarer Gebinde (Behältnisse), die diese Anforderungen erfüllen und einen wichtigen Beitrag zum Thema Umweltschutz leisten.